Forschung, Universität für angewandte Kunst, 2019

Data Loam

Wir sind in der Position eine völlig neue Software nutzen zu können, die es uns erlaubt zu verstehen wie Wissen in Welt-Informationssysteme wie The Library of Congress oder Wikipedia organisiert ist. Wir möchten eine interaktive Schnittstelle zu der "Topographie des Wissens" entwickeln, die anschaulich macht, wie dominante Systeme Informationen strukturieren und wie sie durch ihre eigene Kategorisierung und Indexierung Bedeutungszusammenhänge schaffen, die immer auch dem Zeitgeist, dem gerade vorherrschenden Erkenntnisstand und letztlich auch der gerade opportunen Ideologie geschuldet sind. So sehr sie es auch behaupten – diese Systeme können per se nicht objektiv sein, da sie den Konflikten und Vorurteilen der Vergangenheit nur die der Jetztzeit entgegen setzen können.

Die neue Sicht, die wir anbieten wollen ist auf seltsame Weise objektiver als jede aktuelle Forschung, Interpretation oder Erzählung, die unsere Welt beschreiben will. Denn bei uns sind es die Objekte selbst – oder besser die Vielzahl der Bedeutungs-Vektoren, die ihnen im Laufe der Zeit zugeschrieben wurden – die ihre spezifische Position innerhalb einer "Topografie des Wissens" determinieren. Wir sollten die ständig wachsende und amorphe Qualität dieser Matrix annehmen und akzeptieren, dass es keine endgültige Konfiguration geben wird. Wir müssen beginnen unsere Erwartungen in Bezug auf Begriffe wie "Wirklichkeit", "Wahrheit" und "Tatsache" zu hinterfragen. In unserem Verständnis ist es die utopische Qualität von "Big Data" eine echte Demokratie der Objekte schaffen zu können und die menschliche Voreingenommenheit lediglich als eine historisch bedingte Variable mit ein zu berechnen.

Von diesem Grundgedanken ausgehend wollen wir untersuchen welche sinnvollen Möglichkeiten der künstlerischen Interaktion es mit großen Datenmengen gibt. Wir schlagen vor, Daten in eine Art von "Materie" zu transformieren, die man berühren, umstrukturieren und neu organisieren kann.

DATA LOAM – das neue Material, das wir mit diesem Projekt einführen wollen – ist keine Fantasie. Es basiert auf der Substanz, die von den Institutionen und der Industrie schon seit längerem verwendet und missbraucht wird. Wir wollen um nichts weniger, als es jedem einzelnen zu ermöglichen eine wahre/fiktive/absurde Variation der Welt zu schaffen. Eine gottähnliche Position – ein Labor der möglichen Realitäten – ein leistungsfähiges Werkzeug, das von denen verwendet werden soll, die der Wirklichkeit sowieso immer mißtraut haben: den Philosophen und Künstlern.
Forschung, Universität für angewandte Kunst, 2016

Apertus AXIOM: die erste quelloffene professionelle Filmkamera

Das von der EU (Horizon 2020) geförderte Projekt AXIOM entwickelt die erste open source Filmkamera. Das Projekt wird von der Universität für angewandte Kunst koordiniert und ist Art & Science zugeordnet. Das Projektkonsortium besteht neben der Angewandten aus der Apertus Association (Österreich), antmicro (Polen), af inventions (Deutschland) und Denz (Deutschland). 
Forschung, Universität für angewandte Kunst, 2018

Die Zukunft der Leitwarte

Die Abteilung Art & Science an der Universität für angewandte Kunst führt das Projekt "Die Zukunft der Leitwarte" durch. Ziel dieses Forschungsprojekts ist es, den gegenwärtigen Zustand von Leitwarten zu hinterfragen und neue Konzepte und Designs zu entwickeln, wie diese in Zukunft aussehen können. Das Forschungsfeld beinhaltet Geschichte, Film, Architektur, Mensch-Maschine-Interaktion, Software, GUI-Entwicklung und die Politk des Interface-Designs.
Forschung, 2013

Die Nacht der 1000 Stunden

2. bis 9. Juni Teilnahme am Seminar "Lichttage/Lichtnächte“ mit Kameramann Christian Berger in Ilovic, Kroatien.
Forschung, Universität für angewandte Kunst, 2016

Flüssige Dinge/Liquid Things

Materialien waren immer schon Träger von Nachrichten. In unserer heutigen Situation bekommen sie allerdings eine neue Relevanz aufgrund der wachsenden Informationsströme, die unsere Gesellschaften kontinuierlich formen. Infolgedessen arbeiten viele wissenschaftliche Felder gleichzeitig daran, die Möglichkeiten der Materie zur Handhabung dieser Ströme zu erweitern. Auf dem Weg zur Realisierung von Konzepten wie "programmable matter" und "adaptive architecture" entstehen Forschungsgruppen zu "mediated matter", transitiven Materialien und Metamaterialien. Diese noch jungen Bereiche durchzieht ein mechanistisches Denken, das vielversprechende Aspekte neuer, aktiver und formwandlerischer Materialien jedoch unbeachtet lässt.
Unter Berücksichtigung von Gaston Bachelards poetischen Essays über den Einfluss von Materie auf die Imagination und vor dem Hintergrund einer seit Ovids "Metamorphosen" andauernden zweitausendjährigen Aufladung unserer Kultur mit Ideen der Gestaltwandlung soll eine praktische und kritische Annäherung an die Entwicklungen in den konvergierenden Bereichen von Physik, Chemie, Computer- und Materialwissenschaften stattfinden, um Fragen wie nach der psychischen Resonanz aktiv werdender Materialien oder nach ihrem Potenzial zur Neuverhandlung unserer dinglichen Wirklichkeit entgegenzutreten.
Beide relevanten Bezugssysteme, nämlich wissenschaftliche Entwicklungen und die Imagination, die sich mit Transformationen von Materie beschäftigt, werden zusammengeführt, um mittels neuer Ansätze, Konzepte und konkreter Aktionen bestehende künstlerische Perspektiven zu erweitern.
Das Projekt Liquid Things widmet sich der künstlerischen Grundlagenforschung und ist in drei Blöcke gegliedert: Material/Technologie, Theorie/Reflexion und Kunst/Prozess, mit jeweils mehreren internationalen Einladungen zu konzentrierten, zeitlich beschränkten Kooperationen mit individuellen Abschlusspräsentationen. Das erste Modul konzentriert sich auf Experimente mit neuartigen Materialien; das zweite vertieft den Kontext und bestimmt den theoretischen Rahmen unserer Recherchen; das dritte beinhaltet die Herstellung von künstlerischen Prototypen. Die wichtigsten Ergebnisse werden präsentiert in: zwei Workshops über den künstlerischen Umgang mit aktiven Materialien, einem Symposium, welches das theoretische und praktische Feld des Projekts in Hinsicht auf art-based research reflekiert, einer Ausstellung, die die Prototypen zur Diskussion stellt und einer abschließenden Buchpublikation, die die Prozesse, Kollaborationen, Aktivitäten und Resultate des Projekts zusammenfasst. Die drei Blöcke greifen stark ineinander und ermöglichen es, einen kritischen und gleichzeitig wohlwollenden neuen Umgang, eine vertiefende Kollaboration, mit dem Material, zu entwickeln.
Roman Kirschner